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Welche Masken schützen und wie man sie richtig trägt
Bald werden wir wohl auch in der Schweiz vermehrt Schutzmasken tragen. Alles, was Sie dazu wissen müssen, finden Sie in unserer visuellen Übersicht.

Patrick Vögeli, Alexandra Bröhm, Sebastian Broschinski, Marc Brupbacher
Aktualisiert am 26. Mai 2020

Masken ja oder nein, über diese Frage diskutieren wir in der Schweiz seit Wochen. Viele Experten wie der Epidemiologe Marcel Salathé sind der Meinung, dass Masken eine wichtige Rolle bei der weiteren Eindämmung der Epidemie spielen. Denn viele Infizierte zeigen keine oder nur leichte Symptome, wissen also nicht einmal, dass sie krank sind. «Wenn alle eine Maske tragen, tragen auch die Kranken eine», sagte der deutsche Professor für Virologie, Alexander Kekulé. Andere zweifeln eher an einer Wirkung. Eine allgemeine Maskentragpflicht hält der Bundesrat für den falschen Weg, weil Masken zur Missachtung der Hygieneregeln verleiten könnten. Wichtiger sei nach wie vor, die geltenden Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Masken kämen nur ergänzend zum Einsatz. Erstmals empfiehlt er nun aber das Tragen von Hygienemasken in bestimmten Alltagssituationen. Eine Maske könne verhindern, dass eine bereits infizierte Person andere anstecke, sagte Gesundheitsminister Alain Berset. Inzwischen soll auch der Engpass bei den Lieferungen behoben sein. «Wir gehen davon aus, dass der Weltmarkt wieder genügend Masken hergibt», sagte Daniel Koch vom BAG. Einer Mehrheit der Schweizer Bevölkerung würde eine generelle Maskenpflicht in der Öffentlichkeit befürworten, wie aus der Tamedia-Umfrage hervorgeht. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass viele Menschen diese Schutzmasken falsch tragen. Wir zeigen, was es zu beachten gilt.

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Die grössten Fehler

Den meisten Menschen wird das Tragen der Maske schnell unangenehm. Sie beginnen dann, daran herumzuzupfen und sie hoch- oder runterzuziehen. Das sollte man keinesfalls tun. Wenn man sich dazu entschliesst, eine Maske zu tragen, sollte man sie nicht anfassen. Wer die Maske immer wieder an- und auszieht, ohne sich vorher die Hände zu desinfizieren, kann genauso gut keine tragen. Diszipliniert zu bleiben, ist nicht einfach. Korrekt angewendet, können Masken aus Sicht verschiedener Experten aber eine wichtige Rolle bei der Eindämmung spielen.

Falsch!
Die Maske sollte immer die ganze Nase bedecken.
Falsch!
Auch das Kinn sollte immer vollständig bedeckt sein.
Falsch!
Die Maske darf nicht locker über den Ohren hängen, sondern muss festgezurrt werden.
Falsch!
Die Maske sollte man zur Entlastung nie unter das Kinn schieben.
So geht es!
Richtig!
Die Maske sollte die ganze Nase und auch das Kinn vollständig bedecken. Die Maske muss so festgezogen werden, dass sie eng am Gesicht liegt, es darf keine Lücken geben.
Das gilt es weiter zu beachten:
  • Waschen Sie Ihre Hände gründlich. Hier erfahren Sie wie.
  • Ziehen Sie die Maske an, bevor Sie die Wohnung verlassen.
  • Halten Sie die Maske am oberen und unteren Ende fest und platzieren Sie sie über Nase und Mund. Ziehen Sie die Bänder über die Ohren und spannen Sie die Maske so an, dass es keine Lücken zwischen Maske und Gesicht mehr gibt.
  • Fassen Sie die Vorderseite der Maske nicht an. Wenn es doch passiert, müssen Sie erneut die Hände waschen.
  • Sobald die Maske durchfeuchtet ist, sollte sie gewechselt werden, spätestens nach sechs bis acht Stunden. Um die Maske abzusetzen, sollte man sie hinten an den Bändern lösen, auf keinen Fall vorne am Schutzvlies. Danach in einem Mülleimer mit Deckel entsorgen. Waschen Sie Ihre Hände erneut gründlich.
  • Nur weil Sie eine Maske tragen, sollten Sie sich nicht zu sicher fühlen. Die Hygieneregeln und das Social Distancing sind trotzdem noch genauso wichtig.

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Welche Maskentypen gibt es

Atemschutzmasken (Mit und ohne Ventil)
FFP1, FFP2, FFP3
  • Die Bezeichnung FFP steht für Filtering Face Piece. FFP1, FFP2 und FFP3 schützen zu 80, 94 bzw. 99 Prozent vor Viren - ganz dicht sind sie aber nicht. FFP1-Masken schützen nicht vor Aerosolen und sind für den Selbstschutz im medizinischen Bereich ungeeignet.
  • Mit FFP2/3-Masken schützen sich die Träger, zum Beispiel Pfleger oder Ärztin, vor Infektionen, da die Atemluft von aussen gefiltert wird beim Einatmen.
  • Partikelfilter fangen auch Staub, Dämpfe oder einen Teil Mikroorganismen auf.
  • Sollte strikt medizinischem Personal vorbehalten sein.
  • Achtung: Einige dieser Masken haben ein Ventil zum leichteren Ausatmen. Infizierte Personen mit oder ohne Krankheitssymptome sollen diese Masken nicht benutzen, denn sie tragen zur Virenverbreitung bei.
  • Die Schutzwerte gelten nur, wenn die Maske optimal sitzt, so können bereits «Barthaare im Bereich der Dichtlinie zwischen Atemschutzmaske und Gesichtshaut die Schutzwirkung beeinträchtigen», wie das Robert-Koch-Institut betont.
Hygienemasken oder chirurgische Maske
Typ II oder IIR
  • Innenseite der meisten medizinischen Masken sind weiss, während die Aussenseite eine beliebige andere Farbe aufweist.
  • Für Personen mit Krankheitssymptomen gedacht. Sie schützen das Umfeld vor infektiösen Erregern aus Nase und Mund des Maskenträgers. Können also das Infektionsrisiko bei älteren und chronisch kranken Menschen reduzieren.
  • Bieten keinen zuverlässigen Schutz gegen eine Infektion, da sie keinen Filter besitzen und an den Rändern viel Luft eingesogen wird.
  • Verhindern, dass Schleimhäute von Mund und Nase mit allfällig verseuchten Händen berührt werden.
  • Metallstück über der Nase zu Beginn satt andrücken, damit die Maske dicht sitzt.
  • Nach einmaligem Gebrauch sofort wegwerfen und danach Hände mit Wasser und Seife waschen.
Stoffmasken
Selbst gemachte Stoffmasken
  • Wer keine Masken kaufen kann, der kann sich auch selbst eine Maske aus Stoff nähen oder basteln.
  • Am besten nimmt man ein Material wie Baumwolle, das sich gut heiss waschen lässt. Idealerweise ist die Maske mehrlagig.
  • Für die Stoffmasken gilt, was auch bei den Hygienemasken gilt: Sie schützen weniger einen selbst vor einer Ansteckung, sondern das Umfeld in einem gewissen Mass.
  • Im Netz findet man Anleitungen, um eine Maske selbst zu machen. Es gibt sogar Anleitungen für alle, die nicht gerne nähen.
  • Werden vom Bundesamt für Gesundheit und der Swiss National Covid-19 Science Task Force nicht empfohlen, da sie keine nachgewiesene Schutzwirkung aufweisen.
Geprüfte Textilmasken
  • Geprüfte industriell gefertigte Textilmasken verschiedener Schweizer Unternehmen. Erhältlich seit mitte Mai.
  • Erfüllen die Anforderungen der National Covid-19 Science Task Force.
  • Tragen das Label «TESTEX Community Mask».
  • Die Qualitätsstandards für die geprüften Textilmasken haben Empa-Forschende zusammen mit der Schweizer Textilbranche entwickelt.

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Die wichtigsten Fragen und Antworten

Schützen Masken vor Infektionen?
Ein Team um den englischen Epidemiologen Tom Jefferson von der Universität Oxford hat kürzlich 14 Studien durchforstet, um endlich die Frage zu klären, wie gut Gesichtsmasken tatsächlich vor viralen Infektionen schützen. Das Resultat ist für alle, die klare Antworten mögen, nicht all zu befriedigend: Jeffersons Team konnte keinen klaren Effekt finden, dass Masken die Infektionszahlen senken. Allenfalls in Kombination mit anderen Massnahmen könnten die Masken etwas bringen. In einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen schlug Jefferson vor, man sollte die aktuelle Situation nützen, um mehr Studien zu dem Thema in Angriff zu nehmen. Ein Artikel im British Medical Journal, an dem auch der Schweizer Neonatologe Manuel Schmid mitgearbeitet hat, konnte auch nicht klar nachweisen, dass Masken vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen. Aber die Forscher kamen trotzdem zum Schluss: «Weil Covid-19 eine so ernste Bedrohung ist, raten wir dazu in der Öffentlichkeit Masken zu tragen.» Denn selbst ein kleiner Effekt könnte Leben retten, sind die Wissenschaftler überzeugt. Auch ein britisch-chinesisches Team sprach sich im Fachmagazin Lancet vor einigen Tagen für das Maskentragen aus. Das Maskentragen bringe für den Einzelnen nicht viel, schrieben die Autoren, doch als Gesamtmassnahme, wenn sich alle daran halten würden, könnte es trotzdem helfen, die Epidemie einzudämmen. Eine Studie aus Hongkong hat in einem Tierexperiment mit Hamstern erstmals nachgewiesen, dass sich durch Mundschutzmasken das Übertragungsrisiko des Coronavirus deutlich verringern lässt. Dabei sank das Infektionsrisiko gesunder Hamster um mehr als 60 Prozent, wenn am Käfig infizierter Tiere ein Maskenstoff angebracht war. Hatten nur die gesunden Tiere einen Maskenschutz, halbierte es die Infektionsgefahr immerhin. Ohne jeglichen Schutz infizierten sich zwei Drittel der Tiere innert einer Woche.
Wie schützt die Maske mich?
Besteht das Hauptziel darin, sich vor den Viren anderer zu schützen, bringen die einfachen Stoffmasken und Hygienemasken im Alltag wenig, denn sie riegeln Mund und Nase in der Regel nicht hermetisch ab. Diese Masken halten grössere Partikel ab, verfügen aber nicht über Filter, um vor Viren zu schützen. Denn die kugelförmigen Viren sind ungefähr 1000-mal kleiner als die Breite eines Haares und passen so durch die Lücken zwischen den Fasern im Papier der Masken. Der Erreger kann beim Atmen durch die seitlichen Maskenöffnungen eingesaugt werden. Oder das Virus bleibt an Masken geringer Schutzklasse kleben und gelangt beim nächsten Atemzug in den Körper. Schützen können nur die spezialisierten N95-Masken, auch sie bieten zwar keine absolute Sicherheit, erreichen in Tests aber sehr hohe Werte. Die N95-Masken sind jedoch für das Gesundheitspersonal reserviert, das tagtäglich mit Infizierten zu tun hat, und sind nicht für die breite Bevölkerung gedacht, da es immer noch nicht ausreichend Material gibt. In den Medien werden oft FFP-Masken mit Ventil in der Mitte gezeigt. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stellt dazu fest: «Masken ohne Ventil filtern sowohl die eingeatmete Luft als auch die Ausatemluft und bieten daher sowohl Eigenschutz als auch Fremdschutz. Masken mit Ventil filtern nur die eingeatmete Luft und sind daher nicht für Fremdschutz ausgelegt.» Anstecken kann man sich zudem auch über Tröpfchen, die ins Auge gelangen. Aus diesem Grund trägt das Gesundheitspersonal auch Schutzbrillen.
Wie schützt die Maske die anderen?
Das Tragen von einfachen Masken schützt vor allem andere vor mir. Deshalb hat der deutsche Virologe Christian Drosten es auch immer wieder als «Höflichkeitsgeste» bezeichnet, wenn man solche Masken in der Öffentlichkeit trägt. Wenn alle in der Öffentlichkeit Masken anziehen, gibt es zudem einen kollektiven Schutzeffekt für den Maskentragenden: Man ist geschützt, weil das Gegenüber, das vielleicht von seiner Infektion noch nichts weiss, ebenfalls eine Maske trägt. Es mehren sich die Hinweise, dass Infizierte schon ein, zwei Tage, bevor sie selbst erkranken, sehr ansteckend sind. In einer neuen Studie aus China nehmen die Autoren an, dass 44 Prozent der Neuansteckungen passieren, bevor jemand Symptome zeigt. Wir wissen allgemein noch zu wenig über das Coronavirus und die Frage, wie es sich überträgt. Noch offen ist beispielsweise die Frage, ob sich das Virus auch über Aerosole verbreitet. Diese Frage ist jedoch entscheidend, wenn es darum geht, wie wirksam einfache Masken sind. Aerosole sind winzigste Tröpfchen, die wir beim Sprechen verteilen. Stoffmasken und chirurgische Masken halten am ehesten die grösseren Tröpfchen, die wir beim Husten oder Niesen versprühen, zurück. Aerosole können sie nicht vollständig blockieren, dafür sitzen sie auch zu locker. Trotzdem können sie die Menge der versprühten Viren reduzieren. In einer Anfang April im Fachmagazin «Nature Medicine» erschienenen Studie zeigten die Autoren, dass auch einfache Masken die Menge der Viren zumindest verringerten, die ein Infizierter verteilte. Beim Niesen oder Husten, ohne dass die Ellenbeuge vor den Mund gehalten wird, können Tröpfchen mit 180 km/h in die Umgebung geprustet werden und weiter fliegen als den Mindestabstand von zwei Metern. Auch wer sich eine einfache Maske umbindet, verhindert damit, dass sich die Viren ungebremst weiterverbreiten.
Warum rät das BAG immer noch von Masken ab?
Masken böten «keinen wirklichen Schutz vor Viren», sagte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) immer wieder. Auf der BAG-Website heisst es sogar explizit: «Gesunde Personen sollen in der Öffentlichkeit keine Hygienemasken tragen.» Sie würden nicht effektiv vor einer Ansteckung schützen. Trotzdem gibt es nun zumindest eine Maskenempfehlung, vor allem allem für die Pendler im öffentlichen Verkehr. Sie sollen neu eine Hygienemaske tragen, wenn ein Abstand von zwei Metern zu anderen Fahrgästen nicht möglich ist. «Zu Stosszeiten sollten Sie dringend eine Hygienemaske tragen», heisst es in den publizierten Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Fürs Einkaufen hält der Bundesrat die Masken weiterhin für unnötig, solange der Abstand eingehalten wird.
Gibt es genügend Masken?
In der Schweiz gab es lange auch zu wenig Masken, deshalb hatte es immer erste Priorität, dass das Gesundheitspersonal mit genügend Masken versorgt ist. Die Lücke scheint nun geschlossen worden zu sein. Laut Verteidigungsministerin Viola Amherd hat der Bund Anfang April 100 Millionen Stück Hygienemasken gekauft. Schutzmasken seien weltweit enorm nachgefragt, sagte Amherd. Zurzeit könnten praktisch nur noch Staaten Masken beschaffen. Der Bund unterstütze Branchen deshalb bei der Beschaffung. Von den Atemschutzmasken (FFP2, FFP3), die vorwiegend für medizinisches Personal reserviert sind, hat die Schweiz rund 1,2 Millionen Stück an Lager. Ab Mitte Mai können davon in der Schweiz pro Tag 80’000 bis 100’000 Stück hergestellt werden. Laut Amherd sind die Produktionsmaschinen in der Schweiz eingetroffen. «Es sollte jetzt keinen Maskenengpass mehr geben», sagte Koch. Im Moment sollte es genügend Masken geben.
Wo kann man Masken kaufen?
Der Bundesrat erinnerte daran, dass das Gesundheitswesen, Unternehmen und Privathaushalte Masken grundsätzlich selber beschaffen müssen. Weil diese derzeit aber sehr begehrt sind, geht auch der Bund mit dem grossen Portemonnaie auf dem Weltmarkt auf Einkaufstour. Allein für Hygienemasken für die Bevölkerung sind fast 400 Millionen Franken budgetiert. Die Armeeapotheke verteilte während zwei Wochen täglich eine Million Hygienemasken an Schweizer Detailhändler. Diese verkaufen Migros, Coop, Landi und Volg zum Einstandspreis. Bisher wurden 21 Millionen Stück an die Kantone verteilt. Der Engpass bei Hygienemasken scheint aktuell in der Schweiz beseitigt zu sein. Viele Detailhändler konnten ihren Bestand ausweiten und über weitere Kanäle zusätzliche Masken beschaffen. Auch viele Apotheken verkaufen inzwischen einfache Hygienemasken.
Was empfehlen andere Behörden?
Auch die US-amerikanische Seuchenbehörde CDC und das deutsche Robert-Koch-Institut (RKI) rieten zu Beginn von einer breiten Maskenempfehlung für die Bevölkerung ab. Nun sind beide umgeschwenkt: Das Tragen von nicht medizinischen (auch selbst gebastelten) Stoffmasken sei überall dort empfehlenswert, wo in der Öffentlichkeit Distanzhalten nur schwer möglich ist – beispielsweise in Supermärkten und Apotheken. Auch das RKI korrigiert seinen Kurs und rät nun, bei Erkältungskrankheiten präventiv eine Maske zu tragen, um andere etwa durch Niesen nicht zu gefährden – und in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum, also beispielsweise im öffentlichen Verkehr. Wichtig sei jedoch, dass man mit der Maske richtig umgehe. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte erst am 6. April, Masken könnten tatsächlich einen Beitrag leisten, um die Verbreitung des Virus Sars-CoV-2 zu hemmen.
Was empfiehlt ein südkoreanischer Epidemiologe der Schweiz?
Der Aufruf erfolgt 9000 Kilometer weit weg von hier. Alle Bewohner der Schweiz sollen im Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19-Schutzmasken tragen, gleich wie in Südkorea. Das empfiehlt der Epidemiologe Chun Byung-chul in einem Schreiben an einen Schweizer Arzt. Der Experte von der Korea University lebt selber in Südkorea – das als jenes Land gilt, das die Verbreitung des Virus eingedämmt hat, ohne das ganze öffentliche Leben einzufrieren. Bei Covid-19, so Chun, seien die ersten Symptome sehr mild, sodass kaum zu erkennen sei, wer sich angesteckt habe und wer nicht. «Masken können die Ausbreitung der Tröpfchen, die das Virus enthalten, verringern.» Es gebe zwar keine Studien, die einen epidemiologischen Effekt der normalen Hygienemasken belegen würden, aber in der klinischen Praxis werde ein solcher Effekt doch festgestellt. Chuns Worte richten sich auch an den Bundesrat, wie er auf Anfrage präzisiert. Auch George Gao, Virologe und Direktor des chinesischen Zentrums für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten, warnte in der Fachzeitschrift «Science» vor einer verpassten Chance: «Die USA und Europa machen einen grossen Fehler, indem die Menschen dort keine Masken tragen. Viele Personen haben eine asymptomatische oder präsymptomatische Infektion. Wenn sie eine Maske tragen würden, könnte diese verhindern, dass Tröpfchen, die das Virus übertragen, entweichen und andere infizieren.» Viele europäische Länder folgen diesem Rat schon. In Tschechien etwa darf ohne Mund- und Nasenbedeckung niemand mehr das Haus verlassen. In Deutschland haben nun alle Bundesländer eine Maskenpflicht beschlossen. Kanzlerin Angela Merkel hatte das Tragen sogenannter Hygienemasken in Bussen und Bahnen sowie im Einzelhandel lediglich «dringend empfohlen». In Österreich müssen die Bürger bis zur Entwarnung künftig in Supermärkten Mund- und Nasenschutz tragen.
Welche Branchen haben in der Schweiz eine Maskenpflicht für Angestellte?
Pflicht ist das Tragen von Masken in der Schweiz bei einigen neu wieder zugelassenen Dienstleistungen, bei denen sich Kunde und Dienstleister näher als zwei Meter kommen. Im Gesundheitsbereich sind dies etwa Physiotherapie- oder Massagepraxen. Um Personal und Kundschaft besser zu schützen haben auch Coiffeurgeschäfte, Kosmetikinstitute oder Tattoo-Studios die obligatorische Nutzung von Masken als einheitliche Branchenlösung eingeführt. Die Geschäfte können die Masken über eine Branchenplattform bestellen. Ebenso hat der Schweizerische Fahrlehrerverband eine generelle Tragpflicht einer Schutzmaske für Fahrschüler(innen) bestimmt. Auch der Detailhandel denkt darüber nach: Der Verband Schweizerischer Filialunternehmungen plädiert dafür, mit «verschärften hygienischen Vorgaben» vielen Geschäften eine schnelle Wiedereröffnung zu ermöglichen. Auch Hoteliers und Gastronomen arbeiten an Plänen, wie sie in einem sicheren Rahmen Gäste empfangen können. «Masken könnten ein hilfreiches Element sein, um den Ausstieg aus dem Lockdown zu unterstützen», heisst es beim Branchenverband Hotelleriesuisse.
Wie sieht das Schutzkonzept der SBB aus?
Mit den Lockerungen am 11. Mai hat auch der öffentliche Verkehr sein Fahrplanangebot wieder erhöht. Begleitet wird der Schritt mit einem Schutzkonzept, welches die Schweizer Transportunternehmen in Zusammenarbeit mit den Bundesämtern für Verkehr und Gesundheit erarbeitet haben. Dabei wird vor allem auf die Selbstverantwortung und Solidarität der Reisenden gesetzt. SBB-Chef Vincent Ducrot betont bei der Präsentation des Konzeptes drei Grundsätze:
  • Reisen nur wenn nötig
  • Stosszeiten vermeiden
  • Abstandsregeln einhalten
Und falls die Abstandsregel von zwei Metern nicht eingehalten werden kann, wird gemäss den Vorgaben des BAG das Tragen einer Hygienemaske dringend empfohlen. Weiter will man mehr Desinfektionspunkte an Bahnhöfen einrichten und die Reinigung, insbesondere von Kontaktflächen, stark intensivieren.
Kann ich eine Maske wiederverwenden?
Eigentlich galt bis vor der Epidemie die klare Empfehlung, Hygienemasken nicht zweimal zu verwenden und die Maske, sobald sie zu feucht wird, zu ersetzen. Doch in Zeiten, wo alles medizinische Equipment grundsätzlich knapp ist, gelten andere Regeln. Im Hinblick auf einfache Hygiene- oder Stoffmasken zeigt sich der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité zuversichtlich, dass es ausreicht, sie bei 70 Grad in den Backofen zu legen, bis sie trocken sind. So könne man sie auch zweimal verwenden, aber immer nur für sich selbst. Stoffmasken seien zudem bei 60 Grad waschbar. Bei der Handhabung der Masken müsse man zudem aufpassen die Vorderseite, auf der sich die meisten Viren befinden, nicht anzufassen. Mit Desinfektionsmitteln darf man Hygienemasken nicht reinigen, weil das die Maske schädigt. Das Bundesamt für Gesundheit rät allerding von einer Wiederverwendung ab: «Wenn Sie die Maske getragen haben, ist die Oberfläche potenziell kontaminiert. Deshalb können Sie sie nicht wieder verwenden. Sobald Sie die Maske abnehmen, müssen Sie sie korrekt in einem Mülleimer entsorgen.»
Kann ich Schutzmasken in der Mikrowelle sterilisieren?
Nein. Um die Stoffmasken zu reinigen, sollte man sie in der Waschmaschine waschen, möglichst bei 60 Grad. In den USA ist es bereits zu Bränden gekommen, weil Menschen ihre Masken, die ein Metallteil als Nasenbügel hatten, in der Mikrowelle zu sterilisieren versuchten.
Was taugen Stoffmasken (selbst gemachte)?
Sie sollten möglichst aus Baumwollstoff sein, damit man sie heiss waschen kann, und mehrlagig. Stoffmasken bieten keinen Schutz vor einer Ansteckung für den Träger. Aber sie schützen andere, bis zu einem gewissen Grad, vor einem selbst. Noch grösser ist die Unsicherheit bei selbst genähten Masken, da diese nicht geprüft sind. «Die Schutzwirkung dieser Masken ist nicht belegt, sie können aber als optisches Signal dazu beitragen, dass die Abstandsregeln eingehalten werden und dass sich der Träger weniger ins Gesicht fasst», sagt Lukas Jaggi, Sprecher des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic. Vom Tragen selbst hergestellter Gesichtsmasken aus Textil rät das Bundesamt für Gesundheit (BAG) explizit ab. Selbst genähte Masken böten keinen Schutz vor einer Ansteckung oder erhöhten sogar das Risiko.
Kann ich mir auch einen Schal um das Gesicht wickeln?
Der Schal muss ähnlich eng wie eine Maske sitzen, dann gilt ungefähr das Gleiche in puncto Wirksamkeit wie bei einer selbst gemachten Maske aus Stoff: ein gewisser Schutz für die anderen; Eigenschutz nur, wenn es alle tun. Solche Stoffe können zwar einen gewissen Schutz bieten. Sie stellen eine Barriere dar, die verhindert, dass eigene Sekrettröpfchen mit Wucht in die Umgebung geschleudert werden. Auch Erreger von aussen gelangen auf diese Weise nicht ungehindert in Mund und Nase. Allerdings warnen Fachleute vor unsachgemässem Gebrauch.
Was ist das Risiko beim Tragen einer Maske?
Eine Maske befreit einen nicht von den üblichen Regeln während dieser Pandemie. Man sollte sich nicht in falscher Sicherheit wiegen, auch mit Maske sind Social Distancing und Händewaschen noch genauso wichtig. Eine Maske kann jedoch dabei helfen, dass man sich weniger ins Gesicht fasst. Die Maske oder «eine andere Form der Barriere» könnte laut Robert-Koch-Institut dazu führen, «dass die Abstandsregel nicht mehr eingehalten oder die Händehygiene nicht mehr umgesetzt wird». Ansonsten sagen die Experten: Bis die Frage, ob sie tatsächlich auch beim neuen Coronavirus einen effektiven Schutz bieten, geklärt ist, gilt das Prinzip «Selbst wenn es nichts nützt, schadet es auch nicht». Adrien Burch, Mikrobiologin an der University of California in Berkeley, plädiert deshalb ebenfalls für das Tragen von Masken. Diese würden viel mehr helfen als schaden, schreibt sie in einem Blog-Eintrag. Bei Sars, mit dem das aktuelle Virus Sars-CoV-2 verwandt ist, hätten sie einen signifikanten Schutz geboten – und zwar sowohl als einfache Hygienemasken als auch als Atemschutzmasken.
Muss ich beim Joggen eine Maske tragen?
Auch beim Joggen gelten die Distanzregeln, also sollte man möglichst dort laufen gehen, wo es wenige Menschen gibt, und die normalen Abstandsregeln einhalten. Dann gibt es auch keinen Grund, eine Maske zu tragen, die das Laufen zudem erschweren könnte. Als Vorsichtsmassnahme gilt, dass man vor allem nicht zu nahe hinter einem anderen Läufer rennen sollte, also besser neben- als hintereinander joggen.
Sollen Kinder eine Maske tragen?
Kinder unter 2 Jahren sollen grundsätzlich keine Masken tragen. Für Kindergarten- und Schulkinder kann es in gewissen Situationen in der Öffentlichkeit oder im Kontakt mit Risikogruppen Sinn machen. Allerdings ist es für kleinere Kinder schwieriger, sich an die Regeln des korrekten Maskengebrauchs zu halten. Gesunde Kinder untereinander brauchen keine Masken, weil sie selbst praktisch nie schwer erkranken an Covid-19.
Soll man zu Hause eine Maske tragen?
Zuhause macht es dann Sinn, wenn man selbst krank ist und man seine Mitbewohner so vor einer Ansteckung schützen möchte. Helfen kann eine Maske zu Hause auch dann, wenn man mit jemandem zusammenlebt, der zur Risikogruppe gehört. Man kann das Risiko einer Ansteckung für diesen Menschen senken, indem man selbst eine Maske trägt.
Was sollen Brillenträger beim Tragen von Masken beachten?
Die Brille sollte auf der Maske getragen werden, sodass der Stoff unterhalb des Brillengestells liegt. Einerseits sitzt die Maske dadurch besser, andererseits kann die warme Atemluft mit etwas mehr Abstand an den Gläsern vorbeifliessen und so ein Beschlagen vermindern. Direkt unter der Brille sollte die Maske möglichst eng anliegen. Biegbare Metallbügel helfen hier, den Stoff eng an die Nasenform anzupassen. Die Luft entweicht somit nicht mehr so einfach nach oben weg. In vielen Teilen Asiens hat sich zudem der einfache Trick etabliert, die obere Kante von Einwegmasken nach innen zu falten. Dabei ist es aber wichtig, dass trotz des Faltens, Nase und Kinn vollständig bedeckt bleiben.