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Unsere Streaming-Tipps für diesen Monat

Die besten Serien und Filme, die Sie jetzt streamen können. Auf Netflix, aber nicht nur.

Kulturredaktion
Aktualisiert am 16. Juli 2021

I'll Be Your Mirror

Dokumentarfilm von Johanna Faust, CH 2019, 91 Min.
Film
«Ich habe gedacht, Mutter sein, das muss mich doch erfüllen. Aber innerlich sehne ich mich die ganze Zeit danach, wieder meine Kunst zu machen.» Als sie eine Einladung von einer Kunstschule in Oxford erhält, spielt Johanna Faust mit dem Gedanken, ihre Familie zu verlassen, um sich ganz der Malerei zu widmen. Da erinnert sie sich daran, dass ihre Grossmutter genau das getan hat. Faust will von deren Tochter, also ihrer eigenen Mutter wissen, wie sie das als Kind erlebt hat, erforscht die weitere Familiengeschichte und macht zugleich einen Film daraus. «I’ll Be Your Mirror» ist schon eine Nabelschau, hat aber auch viel dazu zu sagen, welche Kompromisse Frauen in der Lebensplanung bis heute eingehen müssen. (ggs)
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The Empty Man

Horror von David Prior, USA/SA/UK 2020, 137 min.
Film
Und was, wenn dieses Ding einen wirklich verfolgt, nachdem man auf einer Brücke in eine Flasche gepustet hat? Ex-Cop James Lasombra (James Badge Dale) macht die Probe aufs Exempel: Auf der Suche nach der verschwundenen Tochter einer guten Bekannten – die Polizei ist ihm zu passiv – entdeckt er eine Organisation von angeblichen Nihilisten, die sich von einem dämonischen Wesen speisen lassen. Was folgt, ist eine saubere Wiederbelebung von Klassikern im Stil von «The Ring», angereichert durch eine ausgesprochen verstörende Tonspur. Da wird geklappert und an Münzen genagt, dass es eine Art hat. Kommt hinzu, dass ein etwa 20-minütiges Prequel aus den Bergen von Bhutan den ganzen Horror dieses Filmes vorgibt. Das Okkulte gibts als Zugabe. Aber mit welcher Ruhe dieses Psychogramm eines Opfers oder Täters inszeniert ist (Regisseur David Prior orientiert sich klar an David Fincher), da ist man mitunter sprachlos. Um im Film zu bleiben: am Zähneklappern merkt man die Intensität. (zas)
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The Tomorrow War

Science-fiction von Chris McKay. USA 2021, 138 min.
Film
Darfs eine Zwischenmahlzeit zur Fussball-EM sein? «The Tomorrow War» beginnt just während des Endspiels zur Fussball-WM 2022, als Zeitreisende aus dem 2051 auftauchen und verkünden, dass die Menschheit einen Krieg gegen gefährliche Aliens in der Zukunft fast verloren habe. Zu diesem Zweck werden Soldatinnen und Soldaten aus der Gegenwart rekrutiert – unter anderem der Irak-Veteran und Familienvater Dan Forester (Chris Pratt), dem die Spezialaufgabe zukommt, nicht nur die Welt, sondern auch die Zukunft seiner Tochter zu retten. Unschwer zu erkennen, dass diese mit extraterrestrischem Horror und familiärem Drama gewürzte Science-fiction ein Gleichnis auf den Klimawandel sein möchte. Allerdings ist die Umsetzung angesichts der überlangen Action- und Rührszenen etwas zaghaft geraten. Der ursprünglich fürs Kino gedachte Film wurde von Amazon für 200 Millionen Dollar gekauft – ob sich das auszahlt? Immerhin macht Chris Pratt («Guardians of the Galaxy»), der erstmals auch ausführender Produzent ist, gewohnt gute Figur. (zas)
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Black Widow

Superheldinnenfilm von Cate Shortland, USA 2021, 133 Min.
Film
«Du bist so eine Poserin!» Das bekommt Natasha Romanoff alias Black Widow (Scarlett Johansson) von ihrer Schwester Yelena zu hören, als sie sich in Budapest wiederbegegnen. Ausserdem erfahren wir, dass die beiden einst von russischen Undercover-Agenten in den USA aufgezogen wurden und dass sie nun einen Bösewicht namens Dreykov jagen sollen, der weltweit eine Armee von Mädchen ohne Willen befehligt. Aber Moment mal, ist Natasha nicht in «Avengers: Endgame» (2019) in den Tod gestürzt? Doch, aber «Black Widow» erzählt ihre Vorgeschichte, wobei es hier insbesondere um den Wert der Familie geht – einer Familie, die es in Wirklichkeit gar nie gab. Das alles wird durchaus augenzwinkernd erzählt, und wenn Regisseurin Cate Shortland die Action schliesslich ins Weltall verlegt, kommt das Publikum ganz schön ins Schleudern. (zas)
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Shiva Baby

Komödie von Emma Seligman, USA 2020, 78 Min.
Film
Unangenehme Situation: Genau jener Sugar Daddy, mit dem sich die Studentin Danielle zum Sex trifft, taucht an der Shiva auf, also dem jüdischen Trauerritual, wo Danielles halbe Verwandtschaft herumsteht und sie permanent beurteilt («Was ist schon wieder dein Hauptfach?»). Kommt hinzu, dass Danielles Geliebter mitsamt Ehefrau und Baby erschienen ist. Im Gespräch mit Danielles Eltern erfährt er ausserdem, dass die junge Frau gar nicht so knapp bei Kasse ist, wie sie immer behauptet. Peinlich, peinlich: Das Spielfilmdebüt «Shiva Baby» von Emma Seligman ist eine genial konstruierte Huis-clos-Komödie über Blamagen und Verwirrungen, hoch komisch auf den Punkt gespielt. Natürlich auf den wunden Punkt. (blu)
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Sex/Life

Erotikserie von Stacy Rukeyser, USA 2021, 8 Folgen
Serie
In welchem Drehbuchlabor wurde bloss diese Mommy-Porn-Serie gezüchtet? Prämisse: Billie und Cooper sind verheiratet, haben zwei Kinder und sehen so aus, wie man einem amerikanische Familie aus der oberen Mittelklasse zeichnen würde (ja, Villa mit viel Marmor). Problem: Billie ist unbefriedigt, weshalb sie immer wieder zurückdenkt an ihre wilden Jahre vor der Ehe. Plot: Affäre. Die Serie «Sex/Life» gibt sich fortschrittlich mit ihren Sexszenen und der Konzentration auf das weibliche Begehren. Nur was nützt das, wenn Billie abgesehen von ihrer Lust keinerlei Kontur bekommt? Wann arbeitet diese Frau? Und will man wirklich noch mehr sexuelle Fantasien sehen, die sich vorwiegend in unbezahlbaren Lofts abzuspielen scheinen? (blu)
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Das freiwillige Jahr

Drama von Ulrich Köhler und Henner Winckler, D 2019, 86 Min.
Film
Kurios, was alles auf Netflix landet, zum Beispiel diese Vater-Tochter-Geschichte aus Deutschland, die vor zwei Jahren im Locarno-Wettbewerb zu sehen war. Jette soll nach ihrer Matura ein soziales Zwischenjahr in Costa Rica absolvieren. Aber so richtig will sie das gar nicht, es ist vor allem der Wunsch ihres alleinerziehenden Vaters. Der hat seinerseits einiges los, er unterhält eine Affäre und hat einen schwierigen Bruder. Beides führt dazu, dass er immer irgendwo hinfahren muss. Aber dann haut Jette zusammen mit ihrer grossen Liebe ab. Entsprechend spielen grosse Teile dieser deutschen Provinz-Dramödie in Autos, was entscheidend zur absurd-dichten Stimmung des Generationenporträts beiträgt. (blu)
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Jeune femme

Drama von Léonor Serraille, Frankreich 2017, 97 Min.
Film
Laetitia Dosch ist eine Pariser Schauspielerin mit Wurzeln in Graubünden. Ihre Karriere begann in französischsprachigen Theatern mit verrückten Ein-Frau-Stücken, die sie selbst konzipierte, diverse Rollen darin spielte und zuletzt mit einem Pferd auf der Bühne stand. Den Kinodurchbruch schaffte sie vor vier Jahren mit «Jeune femme». Auch darin liess sie sich nicht auf einen einzigen Part festnageln: Ihre Paula ist mal die verlassene Frau, die dem Ex eine Katze klaut und damit durch Paris zieht. Dann die Angeschlagene in der Psychiatrie, dann wieder die Fordernde gegenüber ihrer Mutter und die Verspielte mit einem neuen Liebhaber. So entsteht das Psychogramm einer modernen Grossstädterin, die sich kaum fassen lässt. Was in diesem Fall eindeutig ein Kompliment ist. (ml)
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Black Summer

Horror-Serie von Karl Schaefer und John Hyams, USA 2019, 2 Staffeln
Serie
Seit Zombie-Filme und -Serien ein Massenprodukt geworden sind, muss man sich viel Schrott antun. Gut, gibt es «Black Summer», denn das ist eine der besten Serien des Genres. Sie ist quasi das, was «The Walking Dead» einmal war: die Furcht einflössende Darstellung einer Zombie-Apokalypse – und zwar die Phase unmittelbar nach dem Ausbruch, nicht die «Wiederaufbau»-Phase. Kurz: Zombies, die Menschen, welche gerade noch ihre Verwandten oder Nachbarn waren, durch Strassen und Gärten von sterilen Vorstädten jagen. Die Dialoge sind spärlich, das Tempo unerbittlich, oft beschleunigen Handkameras den filmischen Rhythmus. Manche Folgen sind 20 Minuten lang, andere kommen auf 45 Minuten. In einer Folge der ersten Staffel wurde ein Mann unerbittlich von einem Zombie verfolgt, sonst passierte nichts, man erfuhr nicht, wer der Mann ist oder ob er Familie hat. Die zweite Staffel nun spielt in Wäldern und schneebedeckten Landschaften, wohin sich die Überlebenden geflüchtet haben. Existenzieller Horror, aufs Maximum reduziert. (phz)
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Physical

Dramedy-Serie von Annie Weisman, USA 2021, 8 Folgen
Serie
«Fette Kuh!» zetert Sheila (Rose Byrne), eine kalifornische Durchschnittshausfrau, die als wandelnde Essstörung alles und jeden zum Teufel wünscht – am meisten jedoch sich selbst. Aber dann entdeckt sie Aerobic und dreht Videos für andere gelangweilte Hausfrauen, was ihrem Körper und ihrem Portemonnaie guttut. Ja, auch «Physical» – angelehnt an den Hit von Olivia Newton-John – blickt zurück in die wiederum trendigen Achtziger. Der grosse Unterschied ist jedoch, dass diese von Annie Weisman («Desperate Housewives») erdachte Figur durchs Band unsympathisch wirkt. Umso besser kann man sich in Sheilas fortlaufende (Selbst-)Beschimpfungen einfühlen. Einzige Schwäche dieses mit bitterem Humor gewürzten Vorstadtpanoramas: Die Männer – angefangen bei Sheilas Ehemann (Rory Scovel) – erscheinen durchs Band als semidebile Karikaturen. (zas)
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Pride

Dokumentarserie von Funmi Akinyode, Megan Goedewaagen u. a., USA 2021, 6 Folgen
Miniserie
Die Miniserie zeichnet nach, wie die LGBTQ+-Szene um ihre Rechte kämpfte, von den 1950ern bis zu den 2000ern. Jede Folge widmet sich einem Jahrzehnt. So fängts an mit dem «Lavender Scare» der 50er, als Politiker fürchteten, die Behörden seien von Schwulen und Lesben unterwandert. Wir erfahren vom Stonewall-Aufstand von 1969 oder von der Stigmatisierung Homosexueller in der Aids-Epidemie. Die Erzählform ist eher konservativ: «Pride» besteht aus Interviews und Archivmaterial, dazu gibts nachgestellte Szenen und Zeichentricksequenzen. Am stärksten ist die Serie dort, wo sie unbekanntere Aspekte beleuchtet, etwa den oft ignorierten Aktivismus von queeren schwarzen Frauen und Transgender-Menschen. (ggs)
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Luca

Animationsfilm von Enrico Casarosa, USA/Italien, 95 Min.
Film
Der Titelheld Luca lebt mit seinen überfürsorglichen Seeungeheuer-Eltern in einer italienischen Küstenregion. Er sehnt sich wie jedes Kind nach Abenteuern. Die kriegt er auch, als er den Draufgänger Alberto kennenlernt, der ihm nur allzu gerne ein Geheimnis verrät: Seeungeheuer wie sie werden zu Menschen, wenn sie das Wasser verlassen. Und in der Tat sind Luca und Alberto an Land von anderen Kindern kaum zu unterscheiden. Das macht es nicht ganz einfach für Lucas ebenfalls verwandelte Eltern, die nun im Küstenstädtchen auftauchen und ihren Sohn suchen. Bloss wie sieht er in Menschengestalt aus? «Luca» ist lustig und liebevoll erzählt, die Postkartenbilder des Fünfzigerjahre-Italiens sind schön anzusehen. Kinder werden also viel Spass damit haben, und nur erwachsene Schlaumeier erkennen Parallelen zu den Filmen des japanischen Anime-Grossmeisters Hayao Miyazaki, zum Beispiel «Ponyo». (SZ)
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It's a Sin

Drama-Miniserie von Russell T Davies, UK 2021, 5 Folgen
Miniserie
Die Darstellung von Homosexualität im Film, das war lange eine Geschichte von Andeutungen. Heute ist das zum Glück anders, weswegen der Brite Russell T Davies in seiner Miniserie auch mal eine beschwingte Montagesequenz einschiebt, in der sein junger Held Ritchie Sex mit allerhand Partnern in verschiedensten Stellungen hat. Davies («Queer as Folk») besinnt sich auf seine eigene Jugend in London Anfang der 80er, als er in der Stadt die sexuelle Freiheit suchte, bis sich das Unbehagen angesichts des «Schwulenkrebs» verbreitete. Die neue Krankheit Aids verdunkelt in «It’s a Sin» die Szenen, bei aller Tragik behält die Serie aber eine erstaunliche Leichtigkeit. Manchmal kippt das ins Kulissenhafte oder Demonstrative, aber am Ende bleiben einem die Vitalität und die Wucht der jungen Darsteller, von denen viele auch im echten Leben queer sind. (blu) 
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