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Unsere Streaming-Tipps für diesen Monat

Die besten Serien und Filme, die Sie jetzt streamen können. Auf Netflix, aber nicht nur.

Kulturredaktion
Aktualisiert am 6. Dezember 2021

Amazonen einer Grossstadt

Dokumentarfilm von Thaïs Odermatt, CH/D 2020, 66 Min.
Film
Die Pensionärin Irmela Mensah-Schramm ist auf Berlins Strassen unterwegs, um Hassparolen und Nazisymbole zu entfernen. Sie rückt Klebern mit dem Spachtel zu Leibe, übersprüht Graffiti. Die Stadt würde die Sachen einfach stehen lassen. «Wenn nichts passiert, handle ich», sagt Mensah-Schramm. Die Innerschweizer Regisseurin Thaïs Odermatt war beeindruckt von der Frau und porträtiert sie nun in ihrer Doku «Amazonen einer Grossstadt». Odermatt spielte als Kind gern eine Amazone, und ihre Mutter war ihr ein kämpferisches Vorbild – die hat sich seinerzeit für das schweizerische Frauenstimmrecht eingesetzt. Aber wo sind die Amazonen von heute? Einige von ihnen findet Odermatt eben in Berlin. Ganz handfest sind etwa die Kämpfe der Deutsch-Ukrainerin Maryna, denn sie steigt bei Mixed-Martial-Arts-Turnieren in den Ring. Alles imposante Frauen, und Odermatt feiert sie mit einer mitreissenden Punk-Attitüde. (ggs)
Leserbewertung
ø 5.0
(2 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?

Tschugger

Krimikomödien-Serie von David Constantin und Mats Frey, CH 2021, 5 Folgen
Serie
Eine trashige Prise «Magnum» plus «Beverly Hills Cop» gefällig? Der Kurzvorspann im Eighties-Look dieser Schweizer Serie deutet es an: Es geht um den schummrigen Alltag auf einem Walliser Polizeiposten. Als der leicht verpeilte Bax (David Constantin) – er brachte vor Jahren einen hiesigen Hanfkönig zur Strecke – ein junges Dealerpärchen hochgehen lassen will, ermahnt ihn der Chef, den Ball flach zu halten. Denn: Eine Bundesagentin (Anna Rossinelli) schnüffelt vor Ort wegen einer ausgearteten Polizeifeier rum. Doch Möchtegern-Cowboy Bax denkt nicht dran und setzt stattdessen den lispelnden Zürcher Polizeipraktikanten Smetterling (Cedric Schild) als Undercover-Agent auf das Schmugglerpärchen an. «Tschugger» zeugt angesichts zahlreicher Laiendarsteller nicht nur von einer sicheren Schauspielführung, sondern auch von erzählerischer Raffinesse: Da wird die Walliser Realität gnadenlos überhöht, aber der Charakter der Beteiligten sticht glasklar hervor. (Mehr zu «Tschugger») (zas)
Leserbewertung
ø 4.5
(171 Bewertungen)
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Hellbound

Fantasy-Horror-Serie von Yeon Sang-ho, Korea 2021, 6 Folgen
Serie
Angenommen, man würde ein paar Autoreifen so aufeinandertürmen, dass das Resultat von fern einem schwarzen Yeti ähnelt, und dann diese Figur so lange in die Sauna stellen, bis sie zu dampfen beginnt, dann sollte man etwas haben, das ungefähr aussieht wie die computergenerierten Monster in «Hellbound». Wahrscheinlich sogar besser. Inzwischen ist die Mischung aus Fantasy und Horror weltweit erfolgreicher als «Squid Game» und auch in der Schweiz ein Hit: Sündige Bürger in Südkorea werden von einem Gruselgeist besucht, der ihnen per Dekret Tag und Uhrzeit ihres Todes mitteilt. Sobald es Zeit ist, materialisieren sich drei Höllen-Yetis, töten das Opfer auf brutalste Weise und flambieren es unter Höchsttemperaturen. Es gibt einen Propheten, der die Verurteilungen als Gottes Wille interpretiert, die Sündigen zu bestrafen, und der die Geschehnisse schon vor 20 Jahren vorausgesagt hat. Das Übernatürliche kann man ja noch glauben, aber weniger überzeugend wirken Erkenntnisse wie die, dass sich auch eine religiöse Rhetorik vom Rechtschaffenen als Ideologie entpuppt und die Hölle wahrscheinlich nicht unterm Asphalt versteckt ist, sondern auf Erden stattfindet. Danke, Netflix, aber dafür brauchts nun wirklich keine Ewigkeit irdischer Lebenszeit. (blu)
Leserbewertung
ø 2.5
(21 Bewertungen)
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Bruised

Sportdrama von Halle Berry, USA 2021, 138 Min.
Film
Eine vielversprechende Mixed-Martial-Arts-Kämpferin hat vor vier Jahren Prügel bezogen und traut sich seither nicht mehr in den Ring. Eine neue Trainerin könnte das ändern. Man sieht das harte Training, das arme Leben in Newark, USA, einen sechsjährigen Sohn, der neu dazukommt und sich klaglos in die Disziplin einordnet. Regisseurin Halle Berry achtet in ihrem Spielfilmerstling darauf, dass nicht zu viel Spülsteindrama ihre tolle Geschichte lähmt und spielt selbst die Kämpferin, der man jedes einzelne Mal gebannt zusieht, wenn sie wieder aufsteht. (SZ)
Leserbewertung
ø 4.0
(21 Bewertungen)
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The Power of the Dog

Westerndrama von Jane Campion, AUS/CDN/GB/USA 2021, 126 Min.
Film
Zwei Brüder auf einer Ranch: Phil (Benedict Cumberbatch) und George (Jesse Plemons). Phil ist ein ostentativ verdreckter Grobian, der irgendeiner Idee vom Wilden Westen anhängt, obschon es diesen seit einer Weile nicht mehr gibt. George dagegen wirkt wie der moderne Kerl. Ruhiger, aber nicht weniger sehnsüchtig, wenn er sich in eine Witwe (Kirsten Dunst) verliebt. Sie zieht bei den Brüdern ein, zum Missfallen von Phil, der sie terrorisiert mit einer der fiesesten Waffen: Pfeifen. Falls Janet Campions erster Kinofilm seit «Bright Star» von 2009 klingt wie eine gepflegt inszenierte Reflexion über den Clash der Männerbilder – stimmt schon, aber «The Power of the Dog» ist vor allem eine konzentrierte Geschichte von Gewalt und heimlichem Verlangen. Unausgesprochen bleibt vieles, manches ist am Ende auch einfach unklar, aber der Regisseurin geht es darum, einen Raum zu öffnen für ihr psychosexuelles Spiel, wozu sie die Weite des Westerns ebenso nutzt wie die Szenen der Häuslichkeit, bei Campion stets der Ort der brutalsten Seelenmassaker. (blu)
Leserbewertung
ø 4.5
(35 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?

The Last Duel

Historiendrama von Ridley Scott, GB/USA 2021, 153 Min.
Film
Diese Verhandlung beschäftigte 1386 ganz Frankreich: Ein Ritter beschuldigte einen anderen, seine Frau vergewaltigt zu haben. Der Prozess zog sich lange hin, schliesslich wurde er durch einen Gerichtskampf entschieden – den letzten in der Geschichte des Landes. Die zwei Krieger lieferten sich ein Duell bis auf den Tod. Der Ausgang des Kampfes wurde als Gottesurteil angesehen, und der Sieger bekam vor dem Gesetz recht. Hommage an Kurosawas «Rashomon». So wie dort sehen wir in «The Last Duel» ein Verbrechen und seine Vorgeschichte aus verschiedenen Perspektiven: die des Klägers Jean de Carrouges (Matt Damon), des Angeklagten Jacques Le Gris (Adam Driver) und des Opfers Marguerite de Carrouges (Jodie Comer). Mit jeder Runde erhalten die gezeigten Ereignisse neue Bedeutung. Vor allem aber ist der Film eine satirische Auseinandersetzung mit der «rape culture» unserer Tage. Wir sehen, wie eine Gesellschaft sexuellen Missbrauch verharmlost und Tätern bedingungslose Unterstützung zugesteht, während das Opfer durch die Hölle gehen muss, um Gerechtigkeit zu erfahren. Mitunter ist das äusserst erschütternd. (ggs)
Leserbewertung
ø 3.5
(10 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?

The Unforgivable

Drama von Nora Fingscheidt, USA/D 2021, 118 Min.
Film
Sandra Bullock sieht spektakulär verhärmt und verhärtet aus als Mörderin, die nach zwanzig Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, in eine böse kalte Welt. Die Söhne des Sheriffs, den sie damals erschossen hat, wollen Rache, und der Kontakt zu ihrer Schwester, die bei der Bluttat erst fünf Jahre alt war, wird ihr verweigert. Aber was geschah wirklich an jenem schicksalhaften Tag? Nora Fingscheidt lässt ihrem starken «Systemsprenger» nun ein englischsprachiges Netflix-Drama folgen, der auf einer britischen TV-Serie basiert. Das sieht zunächst konventionell aus, haut am Ende aber trotzdem wuchtig in die Magengrube. (SZ)
Leserbewertung
ø 4.5
(3 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?

The Beatles: Get Back

Dokumentarserie von Peter Jackson, UK/USA 2021, 3 Teile
Serie
Die neue Dokumentation über die Beatles, Peter Jacksons Montagen der düsteren Filmaufnahmen von 1969 zu «Let it Be», dem Krisenalbum der Band, wurde als Fest der guten Laune angepriesen. Sechs Stunden später kommt man zu einem anderen Schluss. «Get Back» enthält grosse Musik und gewährt faszinierende Einblick in die Arbeitsweise der Band, ihre Ausdauer und Disziplin beim Schreiben, Spielen und Aufnehmen. Dennoch ist die Frustration, sind Enttäuschungen und Bitterkeit den vier erschöpften Musikern anzusehen. Bemerkenswert, dass sie in diesem Zustand noch derartig tolle Lieder machen konnten. (Mehr über «Get Back») (jmb)
Leserbewertung
ø 4.5
(18 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen die Serie?

Hawkeye

Superhelden-Miniserie von Jonathan Igla, USA 2021, wöchentlich neue Folge
Miniserie
Die junge Kate (Hailee Steinfeld) ist noch keine Superheldin, wäre aber gerne eine. Ihr grosses Vorbild: ausgerechnet Hawkeye, der sie 2012 im ersten «Avengers»-Film gerettet hat. Seitdem sind fast zehn Jahre vergangen, Kate geht aufs College, wo sie wie besessen Bogenschiessen und Kampfsport trainiert. Anders als Hawkeye ist sie mit ihrer Familie sehr unzufrieden: die reiche Mutter, die sich immer neue Schnösel aus der New Yorker Oberschicht anlachen muss; der fehlende Vater. Warum also nicht Superheldin werden? Eigentlich war Hawkeye, dieser mit Pfeil und Bogen bewaffnete Held, immer einer aus der zweiten Reihe. Neben dem Playboy Iron Man und dem durchgeknallten Hulk wirkte er zu brav und farblos. Bis heute hat er, im Gegensatz zu fast allen anderen Avengers, keinen eigenen Kinofilm bekommen. Dafür nun immerhin diese Miniserie – und die ist ganz hervorragend. Nicht nur, weil sie das alles mitreflektiert: die zur Musical-Farce gewordene Heldenfiguren, das Gefühl, zu spät dazugekommen zu sein, der Spagat zwischen Heldenzirkus und echtem Leben. Sondern vor allem, weil sie die richtige Balance und das richtige Timing findet. (SZ)
Leserbewertung
ø 4.0
(16 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen die Miniserie?

Das Mädchen und die Spinne

Kammerspiel von Ramon und Silvan Zürcher, CH 2021, 98 Min.
Film
Was für wundersame Tiere! Die aus dem Kanton Bern stammenden Zürcher-Zwillinge sorgten 2013 mit «Das merkwürdige Kätzchen» für Aufsehen, einem Kammerspiel aus der Küche einer Familie. Jetzt folgt «Das Mädchen und die Spinne» aus zwei Wohnungen: Ein Umzug ist angesagt, Menschen helfen einander, stehen sich gegenseitig im Weg. Wer gehört zu wem, wer bleibt, wer kommt? Ramon und Silvan Zürcher gelingt es, den Alltag so zu erzählen, als gäbe es eine magische Kraft im Gewusel. Ihr Film ist leicht wie das Blatt Papier, das ein Kind darin bekritzelt, und schwer wie der Ozeandampfer, der auch noch auftaucht. Dafür gab es an der Berlinale 2021 den Regiepreis der Sektion Encounters. Und die nächste Begegnung soll schon bald folgen: Der geplante Abschluss der Trilogie trägt einen Spatzen im Titel. (ml)
Leserbewertung
ø 4.5
(4 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?

JFK Revisited: Through the Looking Glass

Dokumentarfilm von Oliver Stone, USA 2021, 118 Min.
Film
Für Oliver Stone ist die Frage, wer Kennedy erschoss, eine Lebensaufgabe. Deswegen ist «JFK Revisited: Through the Looking Glass» sein bisher zwangsläufigster Film. Wenn auch kein leichter Stoff: Bei vielen anderen wäre die Infoflute aus Experteninterviews, historischem Bildmaterial, Aktenauszügen und animierten Grafiken eine öde Geschichtsstunde geworden. Stone schafft es, einen Thriller zu inszenieren, den er zum Schluss mit dem historischen Kontext der amerikanischen Geopolitik nach Kennedy kunstvoll in die Empörungskurve schleudert. Der Schlüsselmoment aber ist der, wenn Stone selbst im Film sagt: «Aus der Verschwörungstheorie sind nun Verschwörungstatsachen geworden.» Der Film bleibt eine Indizien-Sammlung, allerdings ist die überwältigend. Sie schrammt immer mal wieder knapp am Beweis vorbei, dass Lee Harvey Oswald, bis heute offiziell der alleinige Täter, nicht der einzige Schütze war, und dass es in Amerika mächtige Interessensgruppen gab, für die Kennedy eine Bedrohung war. (SZ)
Leserbewertung
ø 4.5
(6 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?

Tick, Tick ... Boom!

Musical von Lin-Manuel Miranda, USA 2021, 115 Min.
Film
Die Zeit rast, die 30 naht, das verhängnisvolle Alter, und immer noch kein Erfolg in Sicht für Jon, den eifrigen Schreiber von Musikstücken. Die Geschichte des Jonathan Larson, dessen Musical «Rent» weltberühmt wurde, der aber am Tag, bevor es uraufgeführt wurde, starb. In seiner Solo-Show «tick,tick ... BOOM!» hatte er von seiner eigenen Arbeit in den Jahren vor «Rent» erzählt, seinen Bemühungen, Hoffnungen Ängsten, daraus hat nun Lin-Manuel Miranda, erfolgreicher Broadway-Mann der letzten Jahre und nun erstmals Filmregisseur, einen aufregenden Film gemacht, voll Überschwang, aber mit sanfter Diskretion. Die Songs vibrierend, in einem magischen Schwebezustand, man erlebt sie im Zustand der Entstehung. Die Akteure singen selber, an der Spitze Andrew Garfield als Jon Larson. Und die Lust der Diversität treibt den Film, eine Diversität, die nicht propagiert ist, sondern impulsiv. (SZ)
Leserbewertung
ø 3.0
(6 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?

Red Notice

Actionkomödie von Rawson Marshall Thurber, USA 2021, 117 Min.
Film
Wie bitte, Kleopatra hat Eier gehabt? Drei goldene Exemplare soll die Traumfrau der Antike als Geschenk bekommen haben, die sind natürlich heute Millionen wert. Drei Kunstdiebe haben es auf die Kostbarkeiten abgesehen, knöpfen sie sich in wechselnden Allianzen ab und jagen einander um die Welt. Das ist nicht tiefschürfend, aber unterhaltsam. Und weil die Schauplätze exquisit daherkommen und die Diebe hochkarätig besetzt sind, ist «Red Notice» zur teuersten Netflix-Filmproduktion bis heute geworden. Dwayne «The Rock» Johnson, Ryan Reynolds und die «Wonder Women» Gal Gadot balgen sich darin mit ansteckendem Vergnügen. Und sogar mit etwas Filmgeschichtsbewusstsein: Wenn die drei in Südamerika in eine verborgene Nazi-Kammer eindringen, pfeifen sie das Indiana-Jones-Motiv. (ml)
Leserbewertung
ø 3.0
(134 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen der Film?