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Ihre schönsten Kennenlerngeschichten

Wir wollten wissen, wie Sie sich verliebt haben. Lesen Sie hier immer mittwochs und samstags eine Auswahl der berührendsten Einsendungen.

Katharina Graf, Mirja Gabathuler
Aktualisiert am 20. Mai 2022

Alena*, 29

Der frühere Basketballtrainer

« Gekannt hatten wir uns schon vom Basketballtraining. Er war damals mein Trainer, jedoch war null Interesse vorhanden. Mit 24 sah ich ihn dann nach vielen Jahren am Zürich Hauptbahnhof wieder. Ich hatte an diesem Tag verschlafen, sah aus wie eine Vogelscheuche und rannte abends nach der Arbeit auf den Zug. Und da stand er – und hielt mir den Zug auf.

Nachdem ich in letzter Minute eingestiegen war, blickte ich zurück und sah einen ausserordentlich gut gekleideten Mann. Die Krawatte, der Blazer, das Hemd – alles passte. Da bemerkte ich, dass mein «alter» Trainer vor mir stand. Ich war ganz verblüfft, ihn in Zürich zu sehen, hatte er unser Team doch verlassen, weil er nach Basel gezogen war. So grüsste ich ihn, und wir fuhren los.

Als ich ihn fragte, wohin er reisen würde, streifte ein Schmunzeln mein Gesicht. Ich wohnte in derselben Stadt, zehn Minuten von seiner Wohnung entfernt. Da mein Tag so doof startete, fragte ich ihn, ob er Lust hätte, mit mir zu McDonald’s zu gehen. Früher gingen wir nach jedem Match dorthin – hauptsächlich, weil wir verloren hatten.

Später gestand er mir, was er in diesem Moment dachte: ‹Oh je, die Frau wird teuer.›

Was Fettiges, Salziges wäre auch an diesem Tag perfekt gewesen. Leider verneinte er, sagte aber Ja zu einem Döner. Nach der kurzen Reise gingen wir also in eine Kebabbude. Wie passend, die Vogelscheuche und der superhübsche Mann. Es war ein vergnügter Abend, und ich durfte ihn unter anderem belehren, dass dunkles Bier sensationell sein kann, wenn man das richtige wählt.

Nach unserem Znacht endete unsere Begegnung. Zwei oder drei Tage später legte ich ihm ein Bier mit einem Taschentuch – ich hatte gerade keinen Zettel zur Hand – in den Briefkasten. Ich war gerade in der Gegend zum Einkaufen. Kurze Zeit später sah ich auf Facebook einen Post von ihm: er mit meinem Bier. Dazu der Kommentar: ‹So wird man willkommen geheissen.› Natürlich musste ich darauf reagieren. Wir chatteten via Facebook, und er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mal ein wenig schöner essen zu gehen.

So begann unsere Geschichte. Unser erstes richtiges Date hatten wir beim Spanier. Die Vorspeise war gross, der Hauptgang ordentlich – und doch ass ich auch noch seine Resten auf. Erst lange Zeit später gestand er mir, was er in diesem Moment dachte: ‹O je, die Frau wird teuer.› Und doch waren wir ab diesem Moment ein Paar. »

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